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Wolfgang Schwartz KRAKAU, BESKIDEN UND HOHE TATRA Eine einwöchige Radtour an der Grenze Polen-Slowakei Deutsche Radfernwege erfreuten sich in den letzten Jahren steigender Beliebtheit. Aber auch unsere Nachbarn im Osten bieten spektakuläre Radwege mit wenig Verkehr und einer authentischen Natur- und Kulturlandschaft. Grund genug, das neue Radparadies entlang des Flusses Dunajec zu Füßen der Hohen Tatra zu testen. Am besten auf einer einwöchigen Radtour wie Sie der polnische Veranstalter BIRD-SERVICE anbietet. Also, dann auf nach Krakau, dass von Berlin aus tags und nachts direkt mit der Bahn in 8-10 Stunden Fahrzeit erreichbar ist. (Hier hat die polnische Agentur BIRD-SERVICE mit über 10 Jahren Touristik-Erfahrung ihren Sitz und bietet geführte und individuelle Radtouren auf dem Dunajec-Radweg an.) Wawel-Burg oberhalb der Weichsel-Schleife Die Radtour beginn und endet in Krakau: Allein für diese Stadt - ein UNESCO-Weltkulturerbe - kann man eine Woche einkalkulieren: diverse Museen, Bauwerke, Caf??s und Bars laden zur Entspannung ein. Und wer das Grüne bevorzugt. Krakau hat viele Parks und entlang des Weichsel-Radweges hat man schnell und ruhig die Innenstadt verlassen und ist alsbald im Grünen. Genießer haben die Wahl zwischen Erlebnis-, internationaler und natürlich auch bodenständiger Gastronomie: griechisch-italienisch-afghanisch-chinesisch-brasilianisch - hier ist die Welt zuhause. Dazu viele In-Lokale, die sich vor allem in der Studentenschaft (10% der 700.000 Einwohner sind Studenten) schnell herumsprechen. In die Berge Am ersten Tag geht es nach einem Stadtrundgang durch Krakau per Bus nach Zakopane - Polens bedeutendstes Wintersporteldorade und Bergfrische. Der Ort liegt in einem Talkessel am Rand der Hohen Tatra, dem höchsten Gebirge Polens, das zur selben Zeit wie die Alpen, im Tertiär, aufgefaltet wurde. Dieses Hochgebirge bildet auch die Wasserscheide Europas zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer. Spektakuläre Schlucht beim Dunajec-Durchbruch Am nächsten Tag folgen wir dem Dunajec nach Spis (Zips) - eine geschichtsträchtige Region mit eigentümlicher Folklore. Es geht an einem Stausee vorbei, das vom Schloss Niedzica aus dem 14.Jh. überragt wird. Ein Rundgang hier läßt die Vergangenheit lebendig werden, als der ungarische Adel hier residierte - immerhin noch bis in das 20.Jh. hinein. Nach einer weiteren Übernachtung (in Niedzica) radeln wir in die Slowakei - immer direkt neben dem Fluss Dunajec entlang. Der Fluss bildet die natürliche Grenze zwischen Polen under Slowakei, und früher war diese abgelegene und schwer zugängliche Region ein Eldorado für Schmuggler. Die Grenze ist erst seit kurzem für Ausländer offen, und darum ist dieses Gebiet in Deutschland auch noch relativ unbekannt. Schon seit 1830 lassen sich begeisterte Gäste auf Flössen den Dunajec hinuntertreiben. Wir passieren die Ein-/Ausstiegssationen für Flößer und genießen den Vorteil der totalen Freiheit - anders als jene jederzeit anhalten zu können, wenn es uns gefällt. Heilwasser und Affenschloss Nach dem Grenzübergang weitet sich das Tal. Die Route führt schließlich auf einem exzellent ausgebauten Radweg durch das Grajcarek-Tal zum bekannten Kurort Szczawnica zu Füßen des Pieniny-Gebirges. Eine kleine Runde durch den Kurpark und dann fließen die letzten Schweißtropfen, denn das Hotel liegt etwas aufwärts. Dafür hat man von den Zimmern (mit Balkon!) einen weiten Blick auf das Pienin-Gebirge. Gleich gegenüber sprudelt eine Heilquelle, inder man sich (gratis) mit dem mineralstoff- und kohlensäurehaltigen Quellwasser etwas Gutes tun kann. Bauerndörfer und alte Kleinstädte Am nächsten Tag folgen wir weiter dem Dunajec stromabwärts - aber dieses Mal in einem weiten Tal zwischen zwei Beskiden-Ketten mit Kulturlandschaft - auf meistens kleinen Straßen mit Feldern, Wiesen, Obstgärten und blumengeschmückten Bauernhäusern. Die kleinen Staken, auf denen das gemähte Gras zum Trocknen liegt, sind im Sommer eine angenehme Auflockerung. Kurz vor Stary Sacz verlassen wir das Dunajec-Tal und radeln am Nordrand der Beskiden entlang nach Rytro, der nächsten Station. Das Hotel liegt direkt am Poprad, einem Zufluss des Dunajec. Das ??ußere ist eher schlicht, aber die modernisierten und sehr geräumigen Zimmer lassen das vergessen. Geradezu unerwartet bietet das äußerlich eher schlichte Hotel den Luxus eines modernen "Wellness-Centers": Sauna mit Fitness-Raum und Whirl-Pool. Am nächsten Tag, der Schlussetappe, folgen wir dem Poprad flussabwärts und erreichen bei Stary Sacz (Alt Sandez) wieder den Dunajec. Hier lassen wir die authentische Atmosphäre der alten Kleinstadt auf uns wirken, ehe wir mit Nowy Sacz (Neu Sandez) eine jüngere Stadt und die Schlussetappe erreichen. Viele Gebäude stammen hier aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende - darunter das neogotische Rathaus und viele Jugendstilhäuser. Von hier aus geht es wieder zurück nach Krakau, wo noch eine Nacht in einem stilvollen Hotel im jüdischen Viertel verbracht wird. Übernachtungen Ein Wort zu den Hotels. Ich war nach Polen mit der Vorstellung alter verstaubter, muffiger und schlecht gepflegter Hotels angereist, dessen Personal nach sozialistischer Schule eher nachlässig mit seinen als Bittstellern behandelten Kunden umgeht. Weit gefehlt! Alle Hotels und Pensionen der organisierten Radreisen entsprechen dem mittleren Standard in Deutschland. Das Innere ist inkl. der sanitären Anlagen bei allen Anlagen in den letzten jahren grundlegend modernisiert worden: Die Zimmer sind geräumig und gut ausgestattet, das Personal freundlich, und das Essen reichlich und abwechslungsreich. Da kann sich so manches Hotel in der deutschen "Service-Wüste" so eine Scheibe von abschneiden! Natürlich - am ??ußeren erkennt man noch bei einigen Anlagen die Vergangenheit als Ferienheim des Arbeiter und Bauernstaates - aber das gehört dann auch wieder dazu, solange die Qualität stimmt! Und ein derartig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wie hier findet man derzeit in Europa nicht so schnell. Reiseleiter & Service Die Reiseleiter von BIRD SERVICE beweisen, dass diese Tätigkeit kein Beruf, sondern eine Berufung ist, die auch Spaß machen kann. Mit Sachkenntnis und Organisationstalent, aber auch Humor und Feingefühl für die Bedürfnisse der Gäste wird ein rundum ausgewogener Service geboten. Die Reiseleiter stammen aus der Region und sprechen fließend Deutsch. Tomasz Raczkowski z.B. hat Geschichte studiert und ist als professioneller Stadtführer in Krakau bestens mit der Materie vertraut. Aber wer lieber alleine als in der Gruppe radelt, kann das auch. BIRD-SERVICE bietet sowohl Gruppen- als auch individuelle Touren (mit Karten und Begleitinfo) an. Resümee Alles in allem eine extrem abwechslungsreiche Tour in teilweise unberührter Natur und einer kleinparzellierten Kulturlandschaft mit ursprünglichen Dörfern - ob Gebirge, Flusstäler, Schluchten, Felder, Obstgärten oder Holzhäuser. Verhungern muss keiner unterwegs: Einkehrgelegenheiten und Läden sind keine Mangelwäre. Geradelt wird auf reinen Radwegen und Nebenstraßen mit wenig Verkehr. Aber die Autos, die einem entgegenkommen kann man zählen. Gelegentlich begegnen sich auch Namensgefährten: Wenn Radler mit ihren Stallrössern Pferdegespanne/-kutschen überholen. Nur zweimal muss für ein kurzes Stück auf Hauptstraßen ausgewichen werden. Aber Maciej Zimowski scheut keinen Kontakt mit der Kommunalpolitik und will sich für einen Ausbau des Radnetzes einsetzen; die Mittel seien vorhanden und müssten nur abgerufen werden. Und ein gutes Argument hat er auf seiner Seite: Die Radfahrer tragen einen großen Anteil zur touristischen und damit wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Wolfgang Schwartz Der Autor ist freier Journalist und Reiseleiter - in beiden Tätigkeiten spezialisiert auf Radreisen. Er hat verschiedene Reiseführer sowie diverse Artikel in Rad- und Reisezeitschriften veröffentlicht. Als Reiseleiter für verschiedene Reiseveranstalter - sowie privat - bereist er regelmäßig beliebte Radreiseziele in Europa. Seine Schwerpunkte sind Skandinavien, Niederlande, Großbritannien und Italien. Radfahren in Polen war Neuland für ihn - und umso überraschter war er über die Radwege, die Natur sowie Service und Gastfreundschaft. |
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